Der Weg

Ich gehe den Weg, zu dem mir geraten wurde. Seit wir uns gestritten haben, es ist gar nicht lange her, gehe ich ihn alleine, still, ohne Deine Worte.

In der Mittagssonne kam ich an einem vorbei, der sass am Wegesrand und ich hielt an, setzte mich zu ihm und wir sprachen ohrenfällig und bald voll des Weines. Ich erzählte die Geschichte, wie wir uns gestritten haben, laut, gnadenlos, voller Hass, angestachelt von Eitelkeiten, wie wir aneinander zweifelten, ob es der richtige Weg sei, den wir gemeinsam gingen, daß wir dann im Zorn an jede Wand der Stadt geschrieben haben, daß jeder seinen eigenen Weg geht und jeder den des anderen meidet und verflucht sei bis in alle Ewigkeit.

Er sagte, daß ich es nicht bereuen werde, daß es ein harter Weg wäre, am Ziel würde es sich lohnen, ich wäre danach stärker als zuvor und Du wärest meiner Worte nicht würdig gewesen, hättest unsere Freundschaft in den Staub gezerrt, der dann den gemeinsamen Weg zuwehte.

Erhobenen Hauptes, mit dem Stolz der eigenen Moral im Blick, ging ich weiter, ein Lied auf den Lippen.

In der dunkelsten Nacht, dunkler als die Nacht zuvor,  sass dort wieder jemand, ich konnte sie kaum sehen, aber ihre Stimme erinnerte mich an Deine, sanfter als im Streit und wie warmes Verständnis, Vermissen füllte mein Herz. Als sie meine Geschichte hörte,  fragte sie mich, wohin der Weg denn führe, wenn ich gestärkt irgendwo ankommen würde, wo ich ohne Dich nicht sein wollte. Ob der Staub an meinen Schuhen nicht auch Staub unseres Weges sei. Ich blickte zurück, wo sich unsere Wege trennten, wo sie lagen, unsere Ruinen. Ich höre Dein Klagen, aber Du beweinst Dich nur selbst.

Ich gehe einen Weg, meinen Weg.

Kellerkind (ReBlog)

Denn ich bin einfach stehenlassen worden. Mitten im Raum. Du bist raus und hast, bevor Du die Tür geknallt hast, das Licht gelöscht. “Ich muss los!” Und plötzlich stand ich allein im Keller. Ohne zu wissen wo die Treppe ist. Ich war da. Und Du warst oben und ich wollte warten, weil Du oben aufräumen […]

über Kellerkind.  — zwischenzeilich

Queen of shitstorming everything

hallo

Ich gebe es zu: Lästern hat was. Selbst Soziologen betrachten die „abwärtsgerichtete Sozialbetrachtung“ auch schon mal als Heilmittel gegen den Hass und ja, ich lästere auch schon mal, wer ohne Fehl und Tadel, werfe den ersten Stein.

„Die muss bluten wie ein abgestochenes Schwein“

Ich kannte mal jemanden, zu der ich den Kontakt abgebrochen habe, weil sie zuviel über andere lästerte. Aus Gesprächen mit der angeblich „besten Freundin“ schlich sie sich raus und schrieb mir „Woah, das ist so zäh, die ist sooo langweilig“ vom Klo oder vom Geburtstag bei „Freunden“ wurde sich mit Fotos über die Jumbo-Tampons im Bad lustig gemacht. Man durfte sich fragen, wer die noch eingeladen hat, ist aber nicht mein Problem, mein Bad wird die nie betreten, ging gar nicht, konnte weg.

„Wenn alle Menschen wüssten, was die einen über die anderen reden, gäbe es keine vier Freunde auf Erden“
(Blaise Pascal)

Ich muss allerdings sagen: ich mag Lästern nicht. Wen jemand zuviel lästert, bei dem schleicht sich bei mir das Gefühl ein, daß über einen selbst auch so gesprochen wird, sobald man den Raum verlässt. Jetzt sagt „die Wissenschaft“, daß das Tratschen die Funktion hat, möglichst schnell möglichst viel über jemanden zu wissen, ohne ihn wirklich kennenzulernen – willkommen in den sozialen Medien. Pascal wäre wohl höchst entzückt darüber gewesen, so bestätigt zu werden, denn es kommt durch die Entsozialisierung immer öfter ans Licht.

Der undercover hate stark in Dir ist, junger Twitterer

Küsschen rechts, Küsschen links..“Ach, neue Schuhe ? Hübsch“ „Wie heisst Dein Kind? Noél Kurt. Ach, wie originell“

Während man den eigenen Finn-Bibo von der Mathe-Nachhilfe abholt, wird noch mal eben kurz bei Facebook oder Twitter jemand zum „fetten unterbemittelten Drecksack“ erklärt oder „Haste die falschen UGGs von @utebutter* gesehen ? Sowas würden sie nicht mal bei KIK verkaufen“ in die Mädchengruppe gefragt. Kann man machen, muss man aber nicht, kommt nämlich früher oder später raus. So what – solche Freunde findet man auch neue.

Und ist Ihnen schon mal aufgefallen, wie wir reagieren ? Wir machen Screenshots, die Vorratsdatenspeicherung des kleinen Mannes.
Natürlich kichert man über Gelästertes, aber man kann solche Screenshots prima an die nächsten versenden. Zack – Screenshot und die „Meinung“ über die „allerbeste Freundin“ ist selbst raus. Ist ja nur ein Bildzitat, man selbst ist ja gar ganz anderer Meinung über die Schuhe oder die Namen von Kindern.

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Jetzt hat das natürlich so eine unangehme Bewandtnis: irgendwann kommen solche Screenshots auch auf verschlungenen Pfaden bei der oder dem Belästerten an und dann wird Freundschaft etwas eilig, sagen wir:“gründlich überdacht“.
Ich habe selbst schon dutzende Screenshots bekommen, der Screenshot hat längst dem Penisbild den Rang abgelaufen. Erregte Geschlechtsteile unterliegen – meist zu Recht – dem moralischen Verfall , aber der Screenshot von der Lästerei anderer ist immer noch salonfähig. Mache ich nicht mehr mit, sorry.

Andere erniedrigen, um sich selbst zu erhöhen

Der Hass fängt viel früher an, nicht erst beim hetzen gegen „die Anderen“.

Freundschaft bedeutet Vertrauen. Ich vertraue darauf, daß Freunde zwar über mich reden, aber nicht überschwänglich negativ. Jeder hat seine Macken, aber die möchte man ja bei Freunden eben gut aufgehoben wissen. Man könnte natürlich auch sagen, wer sich so abwertend über Freunde äussert, der definiert einfach nur Einsamkeit anders.

Wenn ich jetzt sage: machen Sie das nicht, dann meine ich nicht die Screenshots. Lassen Sie das das Lästern. Suchen Sie sich echte Freunde, denen sie vertrauen. Oder denken Sie drüber nach, warum sie so hässliche Schuhe tragen.

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* Namen und Screenshot dienen nur der dramatischen Illustration.

Klassenkeile 2016

Den folgenden Blogartikel habe ich 2013 schon mal veröffentlicht. Aus Gründen leicht angepasst hier noch mal.

 

Es war Frühsommer, ’82, und da gingen mit den Heranwachsenden schon mal die Pferde durch. Niemand wollte in Warnwesten Fahrrad fahren oder der Fußhupe blinkende Halsbänder umhängen, weil die Gefahr vor allem aus dem „Russen“ bestand, wenn auch nicht konkret, wie wir heute wissen, und da hätten Warnwesten und blinkende Kleinköter wenig geholfen.

Kurt erlebte das schmerzhaft. Als Kind des ehemaligen Profifussballers Pomanek war er eine Zeit lang ein Star gewesen, bis sich das Talent von Grün-Weiss Bochum das Kreuzband riss. In roten Lackpumps, geschminkt mit Perücke und in einer Kneipe, die wenig mit Fußball, aber schon mit Bällen zu tun hatte – unrasierten. Das war nicht schick, aber die Pumps standen ihm jetzt auch nicht so schlecht, meinte jedenfalls Tante Schibulla und kicherte ihr Tantenlachen.
Das Kreuzband heilte, die Karriere natürlich nicht mehr.

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Maximen

hallo

2016 – Das bisher schlimmste Jahr meines Lebens ist zu Ende, aber der Fuß, der Dir ins Kreuz tritt, hat keine Jahreszahl auf der Sohle.

Mitte Dezember starb ein alter Freund nach langer Krankheit. Wir hatten eine Zeit lang den Kontakt verloren und er starb einsam. Er war der vorerst letzte in einer Reihe von Verlusten des Jahres.

Bereits im Juni ging meine beste Freundin Sandra von dieser Welt, die zuletzt nur noch Schmerz für sie bedeutete. Ich konnte ihr irgendwann keinen Zuspruch mehr spenden und dann war ich nicht so da wie ich es nach meinen Ansprüchen hätte sein sollen. Das wird mir für immer weh tun, damit muss ich leben. Aber ich schwor mir darauf hin, niemals wieder wegzulaufen und für die, die mir am Herzen liegen, da zu sein, wo immer, und wann immer, solange ich laufen kann.
Es sollen nicht viele sein, denn solche Versprechen muss ich auch halten können.

Ich verspreche nichts mehr, was ich nicht halten will. Sätze wie „Für Dich fahre ich bis ans Ende der Welt“ sind leicht daher gesagt, es wirklich tun ist der Lackmustest für eine Freundschaft.

Das ist kein Lippenbekenntnis, das ist für mich ein moralischer Grundsatz, sie werden so etwas selten von mir hören, weil mir der Wert und die Pflicht daraus bewusst sind.

Ich lege die gleichen Grundsätze auch an andere an. Wer so etwas beteuert, den möchte ich auch beim Wort nehmen können. Das ist der Kleber jeder Freundschaft.

Jemand, für den ich letztes Jahr sehr viel Gefühl aufgebracht habe, verwendete in diesem Jahr solche Freundschaftsschwüre inflationär, voller Pathos,  und war nicht für mich da, als ich sie brauchte.

Machen Sie das nicht. Seien Sie da, nicht nur als Bekenntnis.

Ich weiß, daß 2017 nicht besser sein wird, nur weil die Jahreszahl sich geändert hat. Vielleicht wird mein „Ich werde da sein“ öfter in Anspruch genommen werden, als ich das möchte. Vielleicht möchte ich das kein einziges Mal mehr, aber ich werde da sein und alles tun, was in meiner Macht liegt.

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Zwischenzeilich (ReBlog)

Ich bin zu alt für Spielchen. Ich bin zwar erst knapp 33 Jahre alt, aber definitiv zu alt für Spielchen. Meine Mutter ist letztes Jahr 60 geworden und lebt jetzt nach der Devise: “Ich sag jetzt endlich was ich will!” Ich hab keine Lust mehr weitere 30 Jahre zu warten. Wir alle reden davon uns […]

über Gehe direkt über Los! — zwischenzeilich