Der Setzkasten

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Der Setzkasten

Meet and Greet

Seit Wochen bewegt nur ein Thema die Welt.
Sängerin und Schauspielerin Herzogin Constance  hat ihrem 4-monatigen Sohn Tennessee Sundance Poopsie (3)  das erste Mal selbst den Popo abgewischt. Die  sogenannte Yellow Press überschlägt sich mit Home Stories und exklusiven Bildern der windelhaltenden Herzogin.

Viel Freude hat Renate R nicht mehr

Renate R. ist ganz verzückt. Die Rentnerin aus Herne ist stets bestens im Bild.
Ihre Kinder werden es mal besser haben„, so die 21fache Mutter in ihrem Rollstuhl, der ihr von der Caritas leihweise überlassen wurde, „ich kenne das ja, wie es ist, Kinder großzuziehen„. Sie fügt etwas wehmütig hinzu „..und das ordentliche Menschen aus denen werden„. Renate R.mussten nach einem Unfall mit einem Gurkenlaster beide Beine amputiert werden. Sie lebt seit 32 Jahren in ihrer 17,2m²-Wohnung in der Willy-Brandt-Siedlung, die im nächsten Jahr abgerissen werden soll. Renate R drückt Constance beide Daumen.

Nachdem es im letzten Jahr etwas ruhig um die blaublütige Contance geworden war – wir berichteten mehrfach – beobachteten nun zufällig etwa 40 Fotoreporter, wie sie ein auffälliges Interesse an Babypuder zeigte. Constance trug ein traumhaftes Paillettenkleid von Kevin Misööni und Makeup von G’Oral. Ein Freund der königlichen Familie erzählte im Vertrauen, daß sie schon im nächsten Monat ein Buch über das Wickeln von kleinen Kindern schreiben möchte. Wir sind gespannt, ob sie das neben ihren zahlreichen Verpflichtungen zum Hasenstreicheln noch hinkriegt,

Exklusiv:
Constance – das Buch

Ludmilla P  hatte ja schon lange einen Verdacht: „Da ist doch was im Busch„, so die 58jährige aus Worpswede.Trotz ihrer Leberfunktionsstörung quält sich die frühverrentete Fleischereifachverkäuferin zum Kiosk, um sich die neueste „Claudia“ zu kaufen. Zuhause fällt sie dann regelmäßig mit einem „Siehste ! Ich wusste es“ in ihre verschlissene Clubgarnitur aus den 60er Jahren. „Wir hatten ja nichts, damals“ seufzt sie dann, während sie sich eine Scheibe des vier Tage alten Brotes mit Reformmargarine schmiert. Eine Scheibe von hinten. Dort ist der Schimmel noch nicht angekommen. Ludmilla P ist glücklich, das es der Herzogin so gut geht.

Doch es regte sich auch Unruhe im Wald der Pressefreiheit. „Die Bauersfrau“ öffnete am Dienstag mit „Herzogin Constance – 12 Kräuter für bessere Haut„. Am Mittwoch antwortete die „Landluft“ mit „Endlich! Constance kauft sich einen Bauernhof in New York“ und einer Exklusivgeschichte über die ersten gemeinsamen siebeneinhalb Minuten mit einem Strohhut.
Donnerstag titelte dann die „Die goldene Hofpost“ mit einem Skandal:

Altrocker Pete Cooper (27) kämpft um die Liebe seiner Tochter Constance.

Es ist halt nicht überall Sonnenschein“ seufzt Renate R zu dieser Schlagzeile. Sorgenvoll gehen ihre Blicke ins Leere.

Gustav G, Wachkomapatient aus Halle-Neustadt, fasst es treffend so zusammen: „Ich glaube nur der Hilde. Hilde ist gut informiert„. So sitzt Hilde dann auch am Bett ihres stillen Mannes, während ihre Gedanken bei Constance sind: „Die hat es nicht einfach, die Constance, nachdem sie ja im März von Prinz Justin verlassen wurde, wegen dieser Sophia Piddleton. Die war ja schon vorher mit dem Fat Pitt zusammen. Gleichzeitig. Stellen Sie sich das mal vor !„.

Und so kämpft Herzogin Constance unermüdlich um ihr Glück. „Sie wird es brauchen„, so sieht man es in den glücklichen Augen von Renate, Ludmilla, Hilde und Gustav.

Meet and Greet

Zu viele Gedanken über Matze Knop.

Die liebe WaterkantRoyal finde ich fast etwas zu unterrepräsentiert. Ich möchte mehr von ihr lesen.

Einmal Leben und zurück.

Vor wenigen Monaten in der Redaktion von Waldis EM- Club:

PRODUZENT: „Waldemar, wir haben Matze Knop schon aus der Kiste gelassen. Der wärmt sich jetzt in unwichtigen Vor- und Nachmittagssendungen in ARD und ZDF auf.“
Waldemar Hartmann (kurz WALDI): „Oh nee. Bitte nicht. Ich will da nett Brezeln essen und Weißbier trinken. Eine urige Gemütlichkeit schaffen. Fernsehdeutschland soll mich lieben! Da kann ich diesen Clown nicht gebrauchen! Ich möchte das nicht!“
PRODUZENT: „Nichts da! Der muss mit. Der ist so lustig, ich muss immer schmunzeln, wenn ich ihn sehe. Ich meine, der sieht nicht aus wie Franz Beckenbauer, hört sich aber so an. Und was der über Fußball weiß…“
WALDI: „Gar nichts weiß der! Der plappert so viel Mist, den keiner nachvollziehen kann! Das ist doch alles nicht kontrollierbar, wenn er da von dem einen puerto- ricanischen Fußballspieler von 1970 redet! Das regt mich auf! Man soll mich doch ernst…

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Zu viele Gedanken über Matze Knop.

Aktive Nichtwählerin

Wahlsonntag 06. März 1983, Bundestagswahl.
Ich begleitete meine Eltern zum Wahllokal. Wie jedes Mal rief meine Mutter aus der Wahlkabine „Schaahatz, was muss ich denn hier ankreuzen ?“ und Schaahatz antwortete pflichtgemäß „ABC, wir wählen immer ABC„. Bitte haben Sie Verständnis, daß ich die eingeschränkte politische Einstellung meiner Eltern hier nicht breittreten möchte. Als Dauer-ABC-Wähler hätten sie das ganz lassen können. Dann wären an Wahlsonntagen die Knödel auch früher auf den Tisch gekommen, aber lassen Sie uns beim Thema bleiben.

Politiknachwuchs, unbeaufsichtigt, männlich

Schon als Kind warf sich dabei mein keimendes Demokratieverständnis in Wellen. Mama wusste nichts von Politik, ausser dem was ihr Mann dazu sagte. Papa wusste auch nichts von Politik, aber das wusste Mama nicht.
Schließlich war Papa für alles zuständig, was Mama nicht konnte. Politik gehörte auch dazu. Daß das Frauenwahlrecht zu einer Zeit eingeführt wurde, in der wohl die wenigsten Frauen Politik durften ist ein Treppenwitz der Geschichte. Die Schweiz wartete da immerhin bis 1971, blieb aber argwöhnisch.

Darf, kann, will nicht

Nun dürfen wir und wir können auch.
Aber wir wollen nicht mehr. Nun, zumindest ich und bis zu 40% andere „Mündige“ auch nicht.

Ich will aber nicht nicht, weil ich den vorgewärmten Platz am Flachprogrammfernseher nicht verlassen will, sondern weil ich nicht will. Zugegeben – rhetorisch mangelhafte Begründung, ich schreite zur Erklärung, beginnend mit den üblichen Gegenargumenten:

Du kannst nur meckern, wenn Du gewählt hast

Das erwarte ich in jeder Diskussion als das Keulenargument und das habe ich so oft gehört von den Verfechtern der korrekten Agitation. Nein, kann ich doch. Die Kuh darf auch nicht erst muhen, nachdem sie ihren Melker gewählt hat. Demokratie ist toll –  aber eben auch für Nichtwähler, alles andere wäre Zwangsdemokratie. Ich darf eine Meinung haben,  ich muss aber nicht.

Wer nicht wählt, wählt …links, rechts, Banane, Hinkel

Mal ehrlich, der Dreisatz ist nicht Eure Stärke, oder ? Schön, wenn man sich Propaganda aus Wahlkämpfen zu Eigen macht, die zu einer Zeit stattfanden, als Schaahatz der Mutti noch den Wahlschein diktierte. Statistisch natürlich Unsinn. Mindestens eben so viele der „Gegenstimmen“ wollen auch nicht.

Kommen wir zu den rationalen Argumenten. Warum wähle ich nicht ?

Meinungsfreiheit ist die Freiheit, auch mal keine Meinung zu haben. 
Das kann unglaublich entspannend sein. (@peterbreuer)

Ich könnte jetzt lange mit Politikverdrossenheit schwadronieren. Das ist es natürlich, aber mein aktives Nichtwählertum soll zeigen: ich suche niemanden aus, der mich hinter’s Licht führt. Niemand hat von mir ein Mandat, mich zu verschaukeln. Ich legitimiere Euch nicht, ob Sozi, Pirati oder Rösi. Ihr handelt nicht im meinem Auftrag oder mit meinem Willen. Ils ne passeront pas !

Freies Werken und Gestalten

Was tun, um nichts zu tun ?

Kreativ sein. Aktiv nichtwählen, daß heißt, den Arsch zum Wahllokal zu bewegen. Den Wahlzettel mit irgendetwas ungültig machen.

Wahlmaschinen sind mir ein Gräuel. Hier kann man nicht mal „Alles Pappnasen“ über den Wahlzettel kritzeln, keinen „Nicht witzig“-Stempel setzen, dessen Schmuggel in die Wahlkabine beim ersten Mal schon leichtes Herzklopfen verursachte. Der nächste Reflex war aber, das geliebte Stück dort zu lassen, denn einsam wollte ich auch nicht nichtwählen. Andere sollten auch nicht wollen dürfen. „Schahatz, was soll der Stempel hier ?

Insofern unterscheide ich mich gerade eher wenig von den Muttis der 50er und 60er Jahre. Nach dieser Devise bin ich tiefenentspannt.

I have a dream

Ich betrachte demokratische Legitimationen bei einer Wahlbeteiligung unter 50 % als nicht erteilt. Noch kein Gericht musste sich damit befassen. Noch lässt sich das Wahlvolk zur Urne treiben und bei der Vergreisung hierzulande wird das auch so bleiben. Aber selbst wenn die letzten Verwegenen 100 wählen gehen, wird irgendeiner FDGO-Politbürokrat seine 33,7 Prozent verkünden, mit Überhangmandaten hätte man einen klaren Auftrag des Wählers…Pups, Pups, Widerpups.

Auf einem Zettel wird aber stehen:

Ihr Schweinegesichter, hochachtungslos, ihre aktive Nichtwählerin Goldspielzeug

Aktive Nichtwählerin

1000 Meisterwerke: Die Nationalelf

Die Nationalelf, Joachim Löw, 170x198cm, 1981-1993, ungerahmt, Polyacryl auf Haut

Eines der erschütterndsten Werke der Moderne fasziniert in seiner bestechenden Simplifizierung auch heute noch die Kunstwelt. Überwiegend in Synthetik und einfachem Satzbau gehalten, gelingt einem Kader von annähernd minderjähriger Bauernschläue das, woran eine ganze Künstlergeneration von Penk bis Immendorf scheiterte: die Kompression der Zeit, die in ihrer täglichen Monotonie zum größten Mörder unserer Individualität wird auf 90 Minuten plus Nachspielzeit, die so wenig scheinen im grauen Alltag des Betrachters.

Zwei zu eins“ – wie das Fanal eines oft gescholtenen Rezidivs schallt es dem Zweifler entgegen, wenn ihm Kritik an dem Werk entfahren sollte, zumal, wenn er anderer Provenienz als die der Künstler ist. Als würden grimme Wehrmächte wieder über Europa herfallen verzerrt sich für einen kurzen Augenblick wieder das Antlitz, fällt dann aber auf knabenhafte Züge und die unterschätzte Größe des Kapitäns, der unscheinbar neben dem hühnenhaften Torhüter steht. Doch auch dort treibt der Künstler ein zweideutiges Spiel. Diesem grimmen Riesen, dem letzten Bollwerk, gab er schimärisch ein kindliches Gemüt, wie der sozialistischen Realität eines Wladimir Krichatzki entrissen.

In gewollt lockerer Satzführung und sparsamem Worteinsatz führt Löw den Betrachter etwas an der Nase herum. Während einzelne Kadermitglieder geradezu in Ehrfurcht vor vollständigen Sätzen erstarren, geraten andere in geradezu philosophische Betrachtungen eines Spielablaufs, der noch Generationen von Sportreportern in widersprechende Diskussionen und Abhandlungen treiben wird.

Da ist auf der anderen Seite die Reservebank. Fragil in Kunstleder gehalten steht sie wie ein Monument gegen die aufbäumende Hektik des vermeintlich so harmlosen Grüns des Rasens. Während ukrainische Busfahrer für ihr gesamtes Leben auf schlechteren Sitzmöbeln ihren Dienst verrichten, wird hier dem scheinbar so unwichtigen Reservespieler für 90 Minuten ein wahres Shangri-La für den Sitzmuskel geboten.
Die Provokation gelingt. So löst Löw gerne in den letzten Minuten des Treibens diese Spannung auf und wechselt die bisherige Ruhe der Ersatzbank mit der Impulsivität des Spieles, wohl auch, um untätigen Ersatzspielern noch einmal das volle Salär für die Teilnahme an einem Länderspiel zukommen zu lassen.

Die Spiele der Nationalelf hinterlassen uns einsam und ratsuchend. „Nach dem Spiel ist vor dem Spiel“ übermittelt uns der Künstler, wohlwissend, daß er hier nur zitiert. Der Schöpfer dieser Weisheit erklärte uns dieses Paradoxon bis zu seinem Dahinscheiden nicht mehr.

1000 Meisterwerke: Die Nationalelf

Für immer

SIE: „Du siehst anders aus. So voller Blässe und Schweiß.“

ICH: „Die Angst umklammert mein Herz, es Dir zu sagen, was mich jagt“

SIE: „Deine Ängste hattest Du im Waldsee versenkt, den wir so liebten, an einem Abend im Mai“

ICH: „An dessen Ufern wir im Gras lagen und die Zukunft betrachteten“

SIE: „Dort spürte ich Dich das erste Mal, dein Herz schlug für mich und ich hörte es.“

ICH: „Mein Herz schlägt auch nun, nur leer und ohne Kraft“

SIE: „Komm in meine Arme und lasse es mich hören“

ICH: „Es ist die Angst, dort zu verweilen, für immer, die mich erstarren lässt“

SIE: „Gehe zum Waldsee, alleine, und suche mich dort“

ICH: „Dort werde ich Dich nicht finden. Nur Erinnerungen liegen dort im Sand“

SIE: „Dann komme zurück und bleibe in meinen Armen die Nacht“

ICH: „Wenn meine Ängste verwehen können, werd ich dort sein“

Für immer

Im Fachmarkt

Ich bin penibel. Teils aus beruflichen, andererseits aus meiner Persönlichkeitsstruktur heraus. Ich möchte wissen, was passiert, ich kontrolliere das Geschehen. Damit bin ich ganz oben in der Ereigniskette und stehe weit über den Dingen.
Mir passiert nichts.

„Guten Tag, was können Sie mir über diese Zahnbürste erzählen ?“

„Ich kann diese Zahnbürste nur kaufen, wenn ich ausreichend darüber informiert bin.“

„Ich habe alle Testberichte gelesen, im Netz und bei der Stiftung.“

„Ich weiß, wovon ich rede.“

„Manufaktum hat bessere.“

„Aber für gute Qualität gebe ich ja gerne etwas mehr aus.“

„Das ist doch nicht die Professional-Version“

„Nein, die Leistung überzeugt mich nicht.“

„Wo finde ich jemanden, der sich mit Ihrem Toilettenpapier auskennt?“

Im Fachmarkt