Xerographien

Liebe Frau Schavan,
der „Zeit“ geht es wohl zu gut, denn sie posaunte immerhin am Donnerstag mit Ihnen im wichtigen oberen Drittel der Titelseite.

"Eine Frau kämpft um ihr Leben".

Ich will mich gar nicht darüber aufregen – nicht mal darüber nachdenken- ob sie bei Ihrer Dissertation beschissen haben oder nicht. Das ist mir himmelschreiend egal, da ich weiß, daß sogar die meisten originären Promotionen nicht eine tote Steinlaus wert sind und den Reifegrad von frisch Koproliertem haben.
Irgendwie ist es auch ekelerregend, daß man mit seinem akademischen Titel in diesem Pool der Erbsenzähler und Nichtigkeiten schwimmen muss oder das irgendwelche Kreaturen dies anstreben und für ihr Lebensziel halten.

Aber niemand „kämpft um sein Leben“, wenn er seine langweiligen Titel verliert, nicht mal Sie, die als Politikerin kaum in die Grundsicherung verfallen würde.
Und sie dürfen sich ja auch noch mit vier Ehrendoktorwürden schmücken.

Man kann Ihnen diesen Artikel natürlich nicht zur Last legen. Zur Last legen kann man Ihnen politisches Versagen, und auch ihre politische Nichtigkeit, aber darum geht es mir gar nicht.

Lieber Azubi bei der „Zeit“,

Die „Zeit“ hingegen scheint ihre Schlagzeilen inzwischen bei Volksverdummungsblättern texten zu lassen.Immerhin geben Sie bei ihrem Artikel „Titelverteidigung“ den ‚Spiegel‘ als Quelle an, aber ihren akademischen „Survivaltitel“ haben sie beim ‚Cicero‘ geklaut, die schoben  diesen Überlebenskampf am 2. September auch schon Bettina Wulff in die Schuhe

"Bettina Wulff - Eine Frau kämpft um ihr Leben"

Meint der Herr oder die Dame…ihr Blättlein vergass, ihren Artikel ‚Titelverteidigung‘ zu kennzeichnen.. etwa, daß die leberinsuffiziente Hilde aus S. Verständnis dafür aufbringt, daß eine rundumversorgte Politikerin wegen irgendeiner Urkunde um „ihr Leben kämpft“ ?
Die „Zeit“ verkommt langsam zur „Bunten“ für den Akademikerzirkus.

Frauen in Syrien kämpfen um ihr Leben und Kinder in Äthiopien, und fast jedem geht es schlechter als Frau Schavan, mit ihrem Promotions-Mimimi. Also denken Sie mal an Olongo 1423, der wahrscheinlich niemals promovieren, aber des öfteren um sein Leben kämpfen wird.

Danke,

Ihre Leserin Goldspielzeug

Xerographien

Die zwei möglichen Leben des Goldspielzeugs

Big Cup of shut up

Ich sitze im Stammcafe, neben mir der bekannte Comedian mit Frau, schräg gegenüber sitzt Genscher, oder er sieht zumindest so aus. Der Milchschaum ist mittelflockig, der Kaffee darunter aber sensationell und zungenschmeichelnd. Der Service heißt wahrscheinlich noch nicht mal mehr so, die Musik wird mit „Elaine Elaine“ von Brendan Croskerry bedient. Dafür ist das Brötchen frisch und knusprig. Die Umweltbedingungen sind angemessen, 63dB(A), 22 Grad Celsius, durch einige fettgefleckte Stellen der Tageszeitung könnte man die Tageszeitung lesen, wenn noch eine da wäre.Der Comedian erzählt seiner Frau eine Beziehungsgeschichte, Wendungen des Lebens, ernst, relativ. Comedians machen nicht immer Scherze, in Wirklichkeit nur im Fernsehen. Ausserhalb haben sie Dinge wie schreiende Kinder, meckernde Nachbarn, und Pickel am Hintern. Genscher entdeckt gedankenverloren seine Ohrläppchen beim Zeitungsstudium, seine Verwunderung hält sich in Grenzen, meine auch. Im Zeitschriftenregal hängt jetzt die „ÖKO-Test“, als Vorbote der Gentrifizierung. Mir egal, ich wohne hier nicht, sollen die anderen wegziehen. Die Bedienung zieht die Stirn in Falten und grinst sardonisch, wenn sie mit einer anderen Servicekraft redet, ein Zeichen, dass sie was verbockt hat, Unterwürfigkeit. Bestimmt wieder frische Brötchen serviert, statt der alten von gestern. Ihre Nägel sind billigst lackiert und blättern ab, wie aus dem Kinderschminkset. Aber wie so oft, ich schweife ab und das nur, um mich um das unangenehme Geständnis zu bringen.

So, jetzt aber..der Flötenschlumpf fängt an..

Einst sagte jemand, dass es das Vorrecht der Intelligenz ist, die Meinung zu ändern. Der BILD-Leser kennt das von Adenauer, wenn das substantiell auch seine dumpf-rheinländische Mentalität war. Ich bin keine Politikerin, da kann ich mir auch mehrere Meinungen leisten. Und, um die relativ unbekannte Katharina Eisenlöffel zu zitieren:

Die Dinge auf sich beruhen lassen, heißt nicht, dass sie in Ordnung sind

Seufzer. Ja, ich werde es noch mal versuchen, mit Twitter. Ich ziehe mich jetzt erst mal zwei Sekunden auf das übliche „Aus Gründen“ zurück…Passend zur Reanimation. eins, eintausend, zwei, eintausend.

Als erstes möchte ich den Namen nicht verlieren. Mir liegt was dran. Aus Gründen. Ich stelle sich vor, daß demnächst eine Firma für Luxuskinder damit Werbung macht. Oder mein Stammcafé*

Dann möchte ich meine Tweets nicht verlieren, weil ich irgendwann nicht mehr beweisen kann, dass es meine Tweets sind, mit denen Eckhardt von Minderlustig-Cantz durch die Lande tourt und Schwarzbrotregale in ostdeutschen EDEKA-Märkten eröffnet.**

Und zu guter Letzt der wichtigste Grund: Ich will das nochmal versuchen und werde dieses und jenes anders machen. Mir haben sehr viele geschrieben, dass es auch anders geht. Bis auf eine gehässige Gewitterziege, deren Horizont wohl die Pinkelweite eines inkontinenten Maikäfer’s hat, waren alle sehr nett. Aber ich will versuchen, Sie und mich weiter zu unterhalten. Ausser der Gewitterziege. Da soll George Clooney drauf starren.

Stammcafé. Mein Name ist das Goldspielzeug.Ich gebe zurück in’s Funkhaus.

* dieses Schaudern wurde präsentiert von meinem Stammcafé.
**dieses Argument wurde gesponsert von ostdeutschen EDEKA-Märkten.

Die zwei möglichen Leben des Goldspielzeugs