Der Jürgen aus Schilda

Ich will nicht über alles meckern, bekanntlich war ich neulich in Venedig, einer als „stinkend und verrottend“ bekannten Stadt im Meer, die sicherlich schon bessere Tage gesehen hat. Tausende von Touristen, auch zu dieser Jahreszeit und tausende Tonnen Müll, die mühsam über’s Meer weggeschafft werden müssen. Aber Venedig ist sauberer als manche deutsche Stadt, abgesehen vom Moder, den eben die Meeresnähe so mit sich bringt.

Kein Dosenpfand venetia

Venedig hat so einige Schwächen, keine ordentlichen Fahrradwege, Monokulturen an venezianischen Maskenläden und kein Dosenpfand. Was uns hier inzwischen in Fleisch und Blut übergegangen ist, ist dem Venezianer und dem Italiener unbekannt.

Dabei ist das Prinzip des Dosenpfands genial blöd:

Ich gebe jemandem Geld, das der mir zinslos zurückgibt, wenn er das macht, was ich auch gemacht hätte, nämlich die Flasche wegschmeißen.

Dazu muss ich 15 Kilometer mit dem Auto fahren,alternativ könnte ich auch ein Stündchen radeln -bei meinem normalen Stundenlohn kein Schnäppchen-  mit einem Sack leerer Flaschen an einem versifften Automaten stehen, der mir dann 2 € auf einem Bon rausrückt. Stundenlohn 2€, abzüglich Reisekosten. Oder ich haue sie in die Tonne und verzichte auf die Fahrerei und der Einzelhändler behält meine 2€, weil ich die Flasche entsorge. Ob der die irgendwann versteuern muss, ist mir unbekannt. An die Müllverbrennungsanlage, wo meine-seine Flaschen landen, gehen die sicher nicht.

Möllemann ist überall

Wer denkt, das wäre eine FDP-Idee und die wollten nur der Automatenindustrie was Gutes tun, liegt falsch, 2003 ist lange her, man verdrängt sowas. Wir erinnern uns: Das Dosenpfand geht auf den genialen Urvater des Grünspiessertums, Jürgen Trittin, zurück, der es 2003 durchknüppelte, obwohl es nicht mal seine Idee, sondern eine von der aktuellen Kanzlerdarstellerin war. Und seit dem ist es eben so. So wie wir den Müll trennen, der anschließend zusammen verbrannt wird, kutschieren wir tonnenweise kleine PET-Behälter durch die Gegend, damit der Einzelhändler sie wegschmeißt, oder idealerweise in die dritte Welt verschifft, wo sie vor den Farwelas tolle Sichtschutzpakete abgeben. Oder der Chinese macht billige Shirts draus und verhökert die pfandfrei an kleine europäische Teeniemädchen.

Aber der Onkel Jürgen hat’s geschafft, 10 Jahre später, Spitzenkandidat der Grünen. Er würde es gerne Kanzlerkandidat nennen, das sieht man ihm an. Damit wir auch nach 2013 weiter so tolle Dinge mit ihm erleben dürfen.

Jetzt habe ich seit 2003 nicht den Eindruck, daß es mehr Pfandflaschen gäbe, oder dass ich vorher blutarme Hände aus grossen Haufen mit PET-Flaschen habe ragen sehen. Eigentlich hat sich nicht viel geändert. Wie in Venedig. Die schmeißen ihre Flaschen nämlich auch weg.

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Der Jürgen aus Schilda

Mein kürzestes Anliegen

Liebe Ordnungsämter Deutschlands,

wenn Euch doch lediglich an der „Verkehrssicherheit“ gelegen ist, warum fliessen dann Eure Einnahmen nicht in wohltätige Projekte, sondern in Finanzierungsruinen und andere dubiose Geschäfte wie Cross-Border-Leasing und Versorgungspöstchen für gescheiterte Lokalpolitiker ?

Warum schließt ihr Jugendheime und stellt dafür mehr Kontrollkräfte ein ?

Warum muss man in städtischen Kliniken stundenlang auf einen Arzt warten, aber nur 5 Minuten auf eine Politesse ?

Mein kürzestes Anliegen