Schiffbruch mit Oma

TubeDas Goldspielzeug ist begütert, wenn auch schwer zurechnungsfähig und deshalb trat es dann auch einen Urlaub mit dem schlechtesten Erwartungs-Erfüllungsverhältnis seiner Zeiten an. Ein Kindheitstraum, einmal die Nordlichter sehen. Nicht so ein rauchendes, ohne Unterlass daher sermonendes Ex-Kanzlerchen, nein, diese Postkartenvisionen am Himmel, oberhalb des Polarkreises. Und wir haben ja gerade extreme Sonnenaktivität, also die größten Chancen und mit „ein wenig Glück könnte man ja…“ so Hurtigruten, der Betreiber einer Gauklerschiffslinie.
Nach aufreibender Anreise über exotische Orte kam ich dann auch im 200 km von Murmansk entfernten Kirkenes an, wo man mir freundlich mitteilte, das Schiff läge in Alta, ey, und ich müsste da mit dem Bus hin.

Den Rest lesen Sie bitte zwischen den folgenden Zeilen, die als Ratgeber dienen sollen, wie Sie das schlimmste verhindern können.

  • Alkohol
    Ein guter Ansatz, um das Problem Nordnorwegen vorübergehend auszublenden. Ein besserer ist es, sich für einen Bruchteil des Geldes das Problem erst gar nicht an die Leber zu hängen und sich zuhause zu betrinken.
  • Anreise
    Ist grundsätzlich schon von abzuraten. Schieben Sie was vor, jammern Sie über die schlechte Versorgungslage für künstliche Darmausgänge in der Region Hammerfest. Reisen Sie nicht an.
  • Auschecken
    Obwohl das Schiff erst um 14:00 Uhr in Bergen anlegt, muss man um 10:00 Uhr die Kabine räumen, denn um 10:01 stand bereits das Räumkommando vor der Tür. Angesichts des Umstandes, dass Norwegen eines der unbestechlichsten Länder der Welt ist, hätte ich Gewalt anwenden müssen.
  • Bali
    Fahren sie besser dort hin.
  • Buffet.
    Frühstück und Mittagessen werden als Buffet gereicht. Und offenkundig hatte jeder schon von seinen eigenen Tisch auf Lebenszeit reserviert. Britische Badelakenromantik in Nordnorwegen. Hitler hätte mit einem geschickt platzierten Strandlaken in London problemlos den zweiten Weltkrieg gewonnen.
  • Busfahrt
    Abenteuer ohne Überraschung ist was für Pädagogen und Weichteil-McGyvers. Also hatte man einfach mal das Schiff von Schiffsreise weggelassen und transportierte mich quer durch Finnland in neun Stunden mit dem Bus zum Schiff nach Alta. Ey, Altah, ey. Wo das Schiff wartete. Eigentlich in 7 Stunden geplant aber auf den menschenleeren Pisten war im Nirgendso ein russischer Truck liegengeblieben und verstopfte die Strasse. Goldspielzeug’s Laune auf dem Tiefpunkt. Kein Netz, um den Anwalt anzurufen, der mich hier rausholen könnte. Dabei Visionen von Monty Python’s Lied „Finland„.
  • Briten
    Das geronnene Empire verteidigt seinen Ruf -mehr ist es ja nicht mehr- auch tapfer am Nordkapp. Diese verhutzelten Notgemeinschaften an Zahnfehlstellungen erinnern in ihrer Bescheidenheit an Christian Wulff, in ihrer Eloquenz an Höhlentrolle und in der persönlichen Hygiene an Mao. Eine interessante Mischung. Alte englische Frauen haben nur solange Unterhaltungswert, wie man das Bild aus Creature Comforts vor Augen halten kann.
  • Döner
    Selbst am Arsch der Welt, Hammerfest, kriegt man Döner, womit es vom globalen Verbreitungsgrad die Wanderratte, Rattus Norwegicus, Norwegens erfolgreichster Exportartikel, überrundet. Beide verbindet allerdings das selbe Rezept. Kann aber auch aus -> Hirrrsch gemacht werden.
  • Erlebnis
    Sie werden es geliebt haben. Bei dem ganzen Zaster, den sie dafür raus hauen, müssen Sie das. Als kleine Rache an den glücklichen, die sich für das gleiche Geld das Bali Ressort geleistet haben, werden sie diese monatelang mit frei erfundenen Eindrücken ihrer unglaublich beeindruckenden Reise terrorisieren.
  • Fernsehen
    Im norwegischen Fernseher läuft noch Bonanza. Mit Untertiteln. Von solch fanatischen Fans hatte ich Synchronisation erwartet.
  • Fjorde
    Wunderschön. Steinsund, Felsfjord, Kiessund. 2500 km Felsen im Wasser. Man kann einfach nicht genug davon kriegen. Außer dort und schnell.
  • Geronten
    Die übliche Lebensform an Bord eines Hurtigruten-Postschiffes. Der Schlag, der bei der Gründung noch selbst dabei war und heute noch romantisch Briefmarken anleckt. Anders als mit Romantik ist diese schwimmende Jugendherberge auch nicht zu ertragen. Dank aufwendiger Domestizierung muss die aggressiven Unterart -› Höhlengeront auch nicht mehr mit dem Elektrotreiber zum Buffet überredet werden.
  • Glück
    Hurtigruten spricht von „etwas Glück“, um die -› Nordlichter zu sehen. Ungefähr so viel Glück, wie man braucht, um in Berlin-Wedding nicht in einen Hundehaufen zu treten. Wenn nicht ein felsenfestes „Gustav Gans“ in ihrem Pass steht, fordern sie es nicht heraus.
  • Hirrrsch
    Wurde mir am Abend nach neunstündiger -›Busfahrt als Abendessen vorgelegt. Was es auch immer war, es war kein Hirsch, obwohl der triefäugige Kellner es mit maximalen Rs aussprach., dass Wagner eine Errrektion bekommen hätte. Dabei hätte er mit dem wahren Namen des Spendertieres wahrrrscheinlich auch seine Freude gehabt. Siehe ->Rrrentierrrr
  • Höhlengeront
    Wurde unter Zwergen oder in britischen Kohlengulags faustsozialisiert. Hat sich durch die britische Inzestinsellage eng mit dem -›Rosettengeront vermischt und bildet eine homogene Population. Kommt so ein Höhlengeront auf sie zu, stellen sie sich deutsch und riechen auf keinen Fall nach Essen.
  • Kabine
    Was ganz feines. Bis auf das Kartoffelschälen Jugendherbergsniveau. 10m2, und selbst als Aussenkabine deprimierend. Sie sind froh, wenn am Abreisetag das ->Räumkommando vor der Tür steht. Die Fenster sind nicht zu öffnen, auch nicht 20 Meter über dem Meeresspiegel. Deshalb versorgt ein ->Lüfter Tag und Nacht die Kabine mit Luft, extra dry. Hätte ich einen Schäferhund, ständen mir aus Tierschutzgründen mehr Fläche zur Verfügung. Kein Grund, sich für die Reise einen auszuleihen. Sie kriegen trotzdem nichts größeres.
  • Kleidung
    Funktion. Töten sie ein, zwei Gore, häuten sie sie und schneidern sich daraus Unter-, Zwischen- und Oberbekleidung. Machen sie an alle Stellen tolle Reflexstreifen, falls ein Rentier eine Taschenlampe haben sollte. Schreiben Sie tolle Sachen darauf, manche Rentiere können lesen. Jedem wird geraten, wie eine Zwiebel auszusehen. Das machen die meisten unglaublich wirklichkeitsgetreu.
  • Kirkenes
    Arsch der Welt. Das dieses Nest überhaupt einen Verkehrsflughafen betreibt, überrascht. Hier wäre der schlaueste Punkt gewesen, den stinkenden Gerontenfrachter ’n guten Mann sein zu lassen und einfach mal Ruhe zu haben. Akzeptables Hotel und Dönerbude vor Ort. All cards accepted, höhere Chance auf Nordlichter. Startpunkt der wunderbaren -> Busfahrt
  • Königshaus
    König heißt hier Kong. Weshalb wohl alle Harald, Eric und Hakan heißen, aber niemals King.
  • Lüfter
    Aus der Decke rauscht beständig ein Strom trockenster Luft. Genau auf das Klappbett, in dem eigentlich jemand liegen sollte. Tun sie das nicht. Bringen Sie Wurst und Schinkenwaren zum Lufttrocknen mit. Wer hier nach 5 Tagen nicht den Fipps hat, ist tot. Siehe – > trockene Haut
  • Nordlichter
    Vergessen Sie es. Ein ziemlicher Betrug. Kaufen Sie eine Postkarte oder Lakritzschokolade.
  • Norovirus
    Man könnte meinen, die Pest des 21. Jahrhunderts. Überall stehen Desinfektionsmittel herum. Die Geronten baden darin und riechen danach.
  • Norwegen
    Was will man hier und warum gab es sogar noch Beklopptere, die den Einsiedlern diese Ödnis abnehmen wollten ? Wahrscheinlich legte man es schon damals auf das Vorrecht an, Wale wissenschaftlich mit der Kanone untersuchen zu dürfen.
  • Preise
    Gediegen.1500 Euro für einen Hühnerkäfig mit mordlüsterner Zwangsbelüftung sind stolz. Und deshalb werde ich das immer unvergesslich toll finden. Siehe -> Erlebnis.
  • Räumkommando
    Wenn sie die Kabine bis um 10:00 zu räumen haben, dann setzt Sie um 10:01 das Räumkommando vor die Tür. In Folge drücken sich alle 600 Passagiere irgendwie in voller Wintermontur auf dem Schiff herum.
  • Rentiere
    Nicht gesehen. Verbuchen Sie es unter -> Nordlichter. Wenn Sie Glück haben, dürfen Sie auf einem Stück davon rumkauen. Wenn Sie noch mehr Glück haben, nicht. Siehe auch -> Hirrrsch
  • Rosettengeront
    Der Rosettengeront duscht nur einmal, in welchem Zeitraum ist unklar. Durch das regelmäßige Nickerchen bilden sich vorzugsweise auf dem Hinterkopf kleine Verzwirbelungen aus. Bis zum nächsten Duschen oder Friseurtermin. Siehe auch -› Höhlengeront.
  • Schiff
    Hier auch Gerontenfrachter genannt. Stellen sie sich eine Kanalfähre vor, optisch, haptisch und olfaktorisch, nur ohne Jugendliche, die Bierpaletten vor sich herschieben. Dafür innen wie außen faltige Menschen, die das all-you-can-drink-Kaffee-Angebot bis an den MAX-Strich ihres frostgeschützten Urinbeutels auskosten. Dass das Duschen auch inklusive ist, sollte man etwas größer drucken lassen.
  • Seegang
    Kaum wahrzunehmen, außer in dem Moment, in dem der Geront das Buffett erreicht und minutenlang innehält um seine Laktoseintoleranz gebührend zu feiern und schon mal den feisten Nachtisch in die Insulinpumpe programmiert.
  • Schwarz-weiß
    Warum der Norweger Farben sehen kann, erschließt sich nicht. Alles ist schwarz-weiß. Schneeweisse Berge, die von einzelnem schwarzen Gestrüpp überzogen sind an schwarzem Meer mit kleinen weißen Schaumkrönchen. Hier sollten Western von gestern gedreht werden, oder Buck Rogers auf dem Planeten Blechkonservo.
  • Toilette
    So eine Schiffstoilette ist ein bedrohlicher Verwandter der ICE- und Flugzeugtoilette. Auf Knopfdruck saugt sie alles weg, was nicht bei drei aufgestanden ist. Der dabei entstehende Geräuschpegel ist unter Wasser noch bis Feuerland zu hören und sorgte schon im kalten Krieg für unvergesslich dumm dreinschauende U-Bootkapitäne.
  • Trockene HautNehmen Sie Vaseline mit, 5 Kilo sind knapp, aber könnten reichen. Sonst denken sie am nächsten Morgen dank des -› Lüfters, sie hätten die ganze Nacht Paniermehl gerieben.
  • Troll
    Keinen gesehen. Siehe Nordlichter und Rentiere. Wer bestimmte norwegische Frauen gesehen hat, der weiß, dass der Norweger sich einfach etwas ausdenken musste, das noch gräusliger war. Leider scheiterte er dabei.
  • WLAN
    Vorhanden, aber so stabil wie die Hüftgelenksendoprothesen der Geronten. Die inzwischen auch voll vernetzt und schicken 24 Stunden am Tag einen HD-Livestream an ihre Tante Edwina.

Sie wissen nun alles, um es zu lassen und deshalb mein Rat: lassen sie es.

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Schiffbruch mit Oma

Ein Herz

Das Herz..
ich gab ihm Medizin
ich gab ihm Drogen
ich labte es
..nicht krank

Das Herz..
ich verleugnete es
ich blendete es
ich ertrank es
..nicht belügen

Das Herz..
ich hasste es
ich forderte es zum Duell
ich legte die Pistole darauf an
..nicht bekämpfen

Das Herz..
ich lockte es
ich rieb es an schönen Frauen
ich gab ihm Lieder
..nicht betrügen

Das Herz..
ich schlug es
ich trat es
ich nahm ihm Wasser und Brot
..nicht besiegen

Ein Herz

Flattr-Stand – Flattr-Dank

Ich bloggte ja bereits meine Absicht, meine Flattr-Einnahmen den SOS-Kinderdörfern zu spenden.

Heute nun die versprochene Transparenz, was meine müden Tweets und Blogs bei  Flattr bisher so eingebracht hat.
Mit der ersten Abrechnung für Dezember über 2,10 €.  Das wären dann mit meiner Verdoppelung schon 4,20€.

Vielen Dank für die Klicks, ihr Lieben, jeder Cent ist willkommen !

16.01.13 14:45-Schnappschuss-2

Update: Ich kann leider selber nicht flattrn, denn sonst würde ich die Spenden verprassen. Ich muss mir dazu wohl ein zweites Konto zulegen.

Ansonsten noch mal die Kurzanleitung:

1. bei flattr.com anmelden. – Registrieren. Guthaben einzahlen. Oder auch nicht. Siehe Anmerkungen.

2. Browser-Erweiterung installieren

3. Wer einen Tweet flattrn will: Tweet öffnen (Details), oben in der Adresszeile auf das grün-orange Flattr-Icon klicken.

4. Wollen Sie wirklich ? Ja, ich bin über 18 und mit allem einverstanden.

5. Erledigt. Machen Sie das so oft sie wollen, denn….

Anmerkungen:
Das Guthaben wird einmal im Monat auf die Anzahl der geflatterten Inhalte verteilt. Bei 5 €-Guthaben und 100 geflatterten Tweets kriegen also die 100 Twitterer jeweils 0,05 € auf’s Konto. Mit dem Dreisatz kommt man hier zu beliebigen Ergebnissen…
Man kann auch selbst Flattrs erhalten (Aha !) und bekommt diese dann ebenso einmal im Monat auf’s Konto. Das kann man sich auszahlen lassen oder selbst wieder verflattern. Die Flattr-Kerle sind natürlich kein Sozialwerk. Die verdienen was dabei, bei dieser Abrechnung waren es 0,23€.

Und man kann erstmal ohne Guthaben flattrn, die Handhabung testen. Ist dann am Ende des Monats kein Guthaben da, verfallen die Flattrs.

Und mal ehrlich, Favstar ist nett. Favstar pro kostet Geld. Warum nicht was sinnvolles damit machen ? Und bei dem Argument, das Favstar pro Geld kostet, wissen Sie auch, warum Flattr nicht direkt in Twitter integriert ist.

Flattr-Stand – Flattr-Dank

Das Recht, eine Ente zu sein

Oma hatte Recht. Mach, was man Dir sagt, sei Still, sitze gerade und iss den Teller leer.Oma war eine lebenserfahrene Frau. Still, sass gerade und ass immer den Teller leer. Kein Wunder, sie hatte immer selbst gekocht, anderen fiel das nicht so leicht, das mit dem Leeressen. Und vielleicht keimte deshalb in dem kleinen Goldspielzeug auch der Widerstand, der Hunger auf Freiheit, unstillbar rebellisch, ja, sogar unsozialistisch.

Vor kurzem hatte ich einen Disput mit einer Kleingeistigen, Casper wäre ein Riese, im Vergleich.  Weil ich sie „entfolgt“ habe, zeterte sie noch Wochen danach und suchte – eben kleingeistig – nach etwas, daß sie mir zwischen die Beine werfen könne. So ein Typ Mensch, den jeder gern als Nachbar hat, der eine Rechtschutzversicherung hat, Rasenkantenhexe und Trennmüllkontrolleuse.

Ihr wäre es ja egal, ob das Gegenüber ein Neger, Jude oder Kommunist sei, aber sie wüsste schon gerne, ob es ein Mann oder eine Frau sei. Mir sind alle fünf Kategorien egal. Neger, Juden und Kommunisten können durchaus auch schlechte Tweets schreiben und bei Männern und Frauen ist das sogar noch verbreiteter. Die oben erwähnte Dame wünscht also braven Gendercontent, man soll still sein und den Teller leer essen.

Und dieser Ausbund an Schlichtheit fand dann angeblich auch was: Man hätte ihr „gesteckt“, daß ich ein „Kerl“ sei. Davon abgesehen, daß das in aller Wahrscheinlichkeit das einzige ist, was man der noch steckt, war ich belustig. Nicht wegen der ungemein subtilen Idee der Bewahnten, sondern ob der, die daraufhin das Weite suchten.

Und so beschloss ich ein „Horrido!“, sass krumm, ass den Teller nicht mehr leer und war jetzt ein „Kerl“.

Rührend, mich dann zu fragen, ob ich „transsexuell“ sei. Nein, bin ich nicht. Aber das spielt auch keine Rolle. Über mich dürfen auch Transsexuelle lachen und Lesben, Behinderte und transspezielle Fichten.

Hinweg, die Zeiten, als der Tweet zählte, die Pointe, der Witz.

Titten, Penis, Titten, Penis, Brüste

Mal ehrlich, wie wichtig ist Ihnen das ? Und warum sind sie dann hier ? Hat der Joyclub sie ausgesperrt oder kriegen Sie keine längeren Sätze als 140 Zeichen auf die Reihe um ihren Trieb auszudrücken ?

Twitter ist für mich Mikro-Content. Es geht darum den Witz im Kopf der Follower entstehen zu lassen, seien sie Neger, Juden, Kommunisten, Frauen oder Männer. Ich mache bei meinen Followern keinen Unterschied, und Sie ?

Und wenn Sie einen machen, dann zanken Sie sich doch mit Ihren Nachbarn, aber nicht mit mir. Sie kriegen an der Kasse ihren Eintrittspreis zurück. Danke.

Das Recht, eine Ente zu sein