Brötchen from LA

Sie wissen ja ungefähr, wie ich zu Kommerz stehe. Für mich teile ich den ein, in notwendig, wie: Brötchen, Kaffee, Klopapier – und Luxus. Immer öfter halte ich mich dran und kann den Luxus-Teil wieder geniessen.
Mit den Brötchen hat das so seine Bewandnis: Ich esse ein Brötchen, mein Stoffwechsel macht unendlich kompliziert Nährstoffe draus, füttert mein Gehirn und durch irgendeine merkwürdige Schaltung kommt ab und ein lustiger Tweet dabei heraus. So wird aus meinem Brötchen irgendwo hoffentlich ein Lächeln, ein Schmunzeln. Danke, Stoffwechsel, prima Brötchen.

Das Brötchen habe ich bezahlt

Wie jeder normale Mensch reagiere ich abweisend darauf, wenn man mir mein Brötchen wegnehmen will. Auch wenn jemand daraus noch mehr Brötchen machen will. Das ist zwar nach dem Energieerhaltungssatz irgendwie toll, aber auch Schmarotzen, denn ich bin keine Lächelmaschine, die sich ein Unternehmer in die Halle stellt und für seinen Profit arbeiten lässt. Meine Zeit, mein Tweet, mein Brötchen.

Nun kam es bei Twitter in der Vergangenheit schon mal dazu, daß mir meine Brötchen…Tweets geklaut wurden. Entweder wortwörtlich, oder im Sinn. Es war mir im Grunde relativ egal, diese Langweiler graben sich ihr eigenes Grab, aber ich habe meine Meinung dazu geändert, denn Tweets waren pekuniär wertlos, man macht eben aus einem gegessenen Brötchen kein neues Brötchen mehr.
Daß mich sogar die „Elite“ beklaute, machte es etwas pikanter, aber es blieb dabei: Auch für 20 Millionen Follower rückt der Bäcker keine Kekse raus.

Das Goldspielzeug ist zu verkaufen

Letzte Woche stellte ich den Twitteraccount @goldspielzeug dann zum Verkauf gegen Höchstgebot.
Man reagierte gar nicht oder merkwürdig. Ein sonderlicher Bayer meinte gar, mich nur deswegen entfolgen zu müssen. Scheiss der Hund drauf, Zefix, blöder Bazi. Dass man euch immer alles extra erklären musste, kennen wir seit „Vorher verabschieden wir die Zuschauer aus Bayern“.

Sie ahnen es: niemand wollte ihn haben, nicht mal den Preis eines Brötchens wollte jemand bieten. Weil das Kapital eines Accounts alleine beim Autor liegt.
Natürlich wollte ich den Account nie verkaufen, mir war klar, daß den keiner haben will. Aber es macht eben meine Ansicht deutlich: Der Account ist nichts, die Followerzahl ist nichts, der Tweet zählt. Und gerade der ist bei einigen „Twitterstars“ leider allzuoft aus der Dose und gelegentlich auch nicht aus der eigenen.
Jetzt ist Kommerz bei Twitter also nicht gerne gesehen. Blöd, daß sich der sonderbare Bazi von oben auch verkauft, als Buch. Aber da ist man eben gleicher als andere.

Postcards from LA

Ich habe mich geirrt. Tweets haben angeblich einen Wert. Denn ein umtriebiger Mensch kam auf die Idee, Tweets wie Devotionalien zu verkaufen. Er möchte also aus Wertlosem Geld machen. Jetzt hat dieser Mensch sich mit ein paar – meist „elitären“- Autoren zusammen getan, und diese liefern zu. An sich keine schlechte Idee. Ehrlich, auch wenn man noch Dümmere finden muss, die Geld für Wertloses ausgeben. Mir gelang das mit dem Verkauf von @goldspielzeug jedenfalls nicht, wie zu erwarten.

Das Problem dabei wird auch sein: einige haben früher schon geklaut, wie soll verhindert werden, daß mal wieder eines meiner Brötchen auf einer Postkarte landet, weil @hupenbarbie69 behauptet, sie hätte’s erfunden ? So dreist sind die „Stars“ auf Twitter nämlich inzwischen.

Es gab einen Tweet, deren „witzige“ Wortverdreherei genau zwei Suchtreffer auf Twitter hatte. Mein Tweet war 15 Minuten älter. Der erwischte Dieb meinte, ich solle mich nicht so wichtig nehmen. Zwei Treffer auf ein paar Milliarden Tweets über ein paar Jahre. Da ist Lotto eine sichere Bank gegen. Bestimmt habe ich es ihm eine Viertelstunde vorher geklaut. Ich heiße ja auch McFly.

Das wäre auch scheißegal, ausser daß dieser Wurm jetzt auch auf der Liste der Postkartenautoren steht und Geld (noch nicht mit fremden Tweets) machen will. Selbstverliebtheit meets Investment.

Erstmal habe ich Favstar deaktiviert. Mir war dieses Fegefeuer der Eitelkeiten schon lange ein Dorn im Auge, und das Geschäftsmodell, daß jemand bezahlt, um Narzissten zu huldigen, habe ich nie verstanden. Sie finden also meine „Top-Tweets“ nicht mehr bei Favstar und auch am „Leaderboard“ können die Jungs mit dem kleinen Pimmel mitmachen. Das ist gut so, denn das war ja nur eine prima Aufbereitung für Straßenräuber, die sich die Juwelen herauspicken konnten. Sowas haben nicht mal Doktoranden aus der Politik, die als Shitstorm durch Twitter getrieben werden.

Die Büchse der Pandora

Aber kommen wir auf den Kommerz zurück. Geld und Brötchen locken immer den Ruf nach mehr auf den Plan. Mehr Geld, mehr Brötchen. Profit ist die maßgebende Eigenschaft des Kapitalismus und verbunden mit selbstverliebten Autoren ein ganz schlechter Ratgeber. Es könnte ja sein, daß jemand eine Schreibblockade hat, soll ja vorkommen, aber sich irgendwie im Zwang sieht, lustige Postkartentweets zu produzieren. Für Brötchen oder für Ruhm, beides gleichwertige Teufel.

Wahrscheinlich liegt jetzt jemand ein „Stell Dich nicht so an“ auf der Zunge. Das habe ich in der Vergangenheit auch nicht getan, jedenfalls nicht aus dem Grund. Da klaute jemand etwas wertloses und macht was anderes wertloses draus, generiert daraus eine Followerzahl, für die auch keiner was bekommt, ausser ein angeblich komödiantisches Ego, das es auf keine Bühne schafft.
Doch mit der gewerblichen Verwertung hat das alles einen anderen Zungenschlag, da ist bundespräsidial ein „Rubikon überschritten“ oder auch „die Büchse der Pandora geöffnet“. Da macht vielleicht jemand mit meinen Ideen Geld und bereichert sich daran. Wer da noch sagt „Stell Dich nicht so an“, der soll bitte selbst den Kommunismus leben und den nicht nur von anderen fordern. Sowas rufen Langweiler ohne Eigenkapital.

In- und outgroup

Auch die Narzissten dürften sich auf Dauer nicht wirklich wohl dabei fühlen. Selbst wenn man auf der „Mitmach“-Seite des Grabens steht, der da neu aufgerissen wird, steht man in Konkurrenz, und mit dem Geld eben auch in wirtschaftlicher. Andere „Autoren“ kann man dann getrost „Mitbewerber“ nennen. Eine versprochene „transparente Abrechnung“ wird einige vor den Kopf stoßen, andere zu selbstverliebten Masturbationsorgien treiben. Je nach Ausprägung wird dann eben hier und da „nachgeholfen“.
Und mit dem Kommerz findet also auch die Sprache des Kapitalismus ihren Weg.
Sehr unschön, daß es jetzt „Elite“ und die „Pappe-Elite“ gibt. Vielleicht bald auch „T-Shirt-Elite“ und „Kaffeetassen-Elite“. Der Horizont und immer weitere Türen öffnen sich, um den Hipster von gestern zum Opa zu machen. Das alles erinnert an Dürrenmatt’s „Besuch der alten Dame“.

Und an Jürgen Schneider, aber das ist eine andere Sache.

Fazit

In Zukunft werde ich einen sehr genaue Blick darauf haben, ob jemand mit meinen Brötchen Geld macht und (die unrechtmäßigen Verwerter) wettbewerbsrechtlich abmahnen lassen, denn das ist das Schlachtfeld, das man mit dem gewerblichen Verwerten von Tweets betreten hat.

Und da dies ein Fazit ist, fasse ich das mal zu einem alkoholischen Schlußwort zusammen: Schnapsidee.

Sign

Update 05.02.:In der Diskussion wird immer wieder hervorgehoben, daß es „ja für einen guten Zweck“ sei. Das ist so nicht richtig. Jeder Postkartenautor kann entscheiden, ob er für einen „guten Zweck“ spendet oder daran verdient. Es ist in diesem Shop nicht erkennbar, welcher Autor sich wofür entschieden hat.

Update 15.02.: Die Postkartenfraggles haben sich nach angeblich „langer Diskussion entschieden, die ‚Gute-Zweck-Spender‚ nicht zu kennzeichnen“. Das soll wohl den falschen Eindruck vermitteln,  es handele sich um eine demokratisch geführte Teilhabergesellschaft, wie eine Genossenschaft. Leider ist das im vorliegenden Fall nicht so. Schlechte Rechtsberatung, vor allem für die Autoren. Ferner sieht man daran, wie die kommerziellen Postkartentwitterer die Spender unterdrücken. Sieg des Kommerz über den guten Zweck.

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Brötchen from LA

2 Gedanken zu “Brötchen from LA

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